Über die Amerikaner und ihre Lebensart wird viel geschrieben. Gerade die Deutschen, so scheint es mir, pflegen mit ihnen eine besondere Form der Hassliebe. Auf der einen Seite sind sie als Kriegstreiber und fette Idioten verschrien, auf der andere Seite werden Amerikanische Idole wie Steve Jobs auch hierzulande vergöttert. Wie kann ein Volk, von dem ein Großteil noch an die Biblische Entstehungsgeschichte glaubt, gleichzeitig der größte Wirtschaftsmotor unseres Planeten sein? Amerika das Phänomen.

Die Amis sind keine Deutschen

So offensichtlich dieser Satz, wird er doch von den wenigsten begriffen. Um die Amerikanische Lebensweise wirklich zu verstehen ist es notwendig die Deutsche zu vergessen. Das so etwas innerhalb von Deutschland unmöglich ist liegt auf der Hand. Nur wer längere Zeit unter Amerikanern verbringt, hat eine Chance der Wahrheit näher zu kommen. Es reicht nicht den Fernseher an zuschalten oder Zeitung zu lesen. Genauso wie Till Schweiger und Heidi Klum nicht den Durschnittsdeutschen spielen, sind Brat Pitt und Pamela Anderson kein guter Spiegel der Amerikaner.

Die Amis suchen nach Erfolg

Die Einwanderer kamen aus einem Grund nach Amerika. In ihrer alten Heimat war das Leben schlecht. Entweder sie gingen als arme Leute in Hoffnung auf Reichtum, als politisch Verfolgte auf der Suche nach Sicherheit oder als Gläubige die ihre Religion frei auszuüben wünschten. In den wenigsten Fällen und erst lange nach dem zweiten Weltkrieg kamen auch wohlhabende Menschen in die USA. Neunundneunzig Prozent aller Amerikaner sind Nachfahren armer Leute die es zu mehr bringen wollen.

Der Traum vom Tellerwäscher zum Millionär kommt nicht von irgendwo. Er verkörpert den Amerikanischen Glauben, dass durch harte Arbeit alles möglich ist. Ob solch ein Aufstieg heute überhaupt noch machbar ist spielt kein Rolle. Der self-made man hat sich als feste Figur des American Dreams etabliert. Optimismus und Selbstvertrauen sind in den USA stärker verbreitet als in Deutschland. Leider hat die erfolgreiche Geschichte der Nation zu einem überzogenen Patriotismus geführt, der den Amerikaner glauben lässt, seine Privilegien findet er nur im eigenen Land.

Die Amis verkaufen

Die USA sind ein Land der Vertreter. Amerikaner wissen, dass Sales und Marketing das A und O des Erfolges sind. Egal ob es darum geht sich selbst oder ein Produkt zu verkaufen. Mit der Zeit hat sich so eine Mentalität der Vermarktung gebildet, deren Spitze Hollywood bildet. Als die Traumfabrik schlechthin, weiß man hier wie nirgends auf der Welt die Massen für sich zu gewinnen. Auch die amerikanischen Sprache zeigt wie sehr man das Verkaufen lebt. Ausdrücke wie pitch oder cold-call haben wir einfach ins Deutsche übernommen, weil gute Übersetzungen schlichtweg fehlten.

Die Amis sind pragmatisch

Wie die meisten Angelsachsen sind auch die Amis praktisch veranlagt. Dinge müssen vor allem eins – funktionieren. Das Warum ist, wenn überhaupt, zweitrangig. Es ist kein Zufall, dass englischsprachige Philosophen vorwiegend empirisch argumentieren. Wo der Deutsche eine Fragestellung zehn mal durchdenkt, geht es dem Amerikaner darum so schnell wie möglich die einfachste Lösung zu finden.

Praktisch sind auch die amerikanischen Häuser. Sie sind einfach gebaut – oft aus billigem Holz. Oft fragen sich Deutsche, wie man auf die wahnsinnige Idee kommen kann, auch in akuten Tornadogebieten nicht mit besseren Materialien zu bauen. Lebt man doch  mit der Gefahr jedes Jahr das eigene Haus zu verlieren. Der Amerikaner sieht das anders. Gerade weil die Gefahr so groß ist, baut er lieber jedes Jahr ein neues Billighaus. Viel Geld in ein Steinhaus zu investieren würde ihn außerdem zu sehr binden. Das lässt sich nur schwer mit seinem mobilen Lebensstil vereinbaren (im Durchschnitt zieht er alle drei bis fünf Jahre um).

Die Amis lieben das Risiko

In diesem Punkt unterscheiden sich die Amerikaner stark von den Deutschen. Vom Staat garantierte (Schein-)Sicherheit durch gesetzliche Renten-, Sozial- und Arbeitslosenversicherungen gibt es in den USA so nicht. Zwar haben die Vereinigten Staaten ähnliche Programme, ihr Einfluss und gesellschaftliche Akzeptanz sind hier jedoch deutlich geringer. Arbeitslosigkeit ist kein gesellschaftliches Problem, sondern eine persönliche Härte, aus der man sich sich mit eigener Kraft befreien kann. Risiko wird als Preis des Fortschritts gesehen. Risikobereitschaft als Tugend. Ein großer Teil des wirtschaftlichen Erfolges der USA lässt sich so erklären. Sehr viel verbreiteter ist die Überzeugung, dass Selbstständigkeit und Unternehmertun der Weg zum Erfolg sind.

Die Amis lieben ihre Tradition

Der Ami liebt sein Land. Obwohl die USA ein sehr junges Land sind und so gut wie keine nennenswerte Kultur besitzen, gibt es wenige Amerikaner die nicht davon überzeugt sind, ihr politisches System wurde quasi von Gott persönlich erdacht. Die meisten der eben genannten Punkte – der Erfolgshunger, die Kultur des Verkaufens, die Pragmatik und die Liebe zum Risiko – lassen sich auf die Grundgedanken der Deklaration of Independence zurückführen. Sprich das Recht auf Leben, Freiheit und dem Streben nach Glück. Auch wenn sich die gesellschaftlichen Umstände seit 1776 stark geändert haben (und es auch in Zukunft tun werden), sind es vor allem diese drei Aspekte welche der Amerikaner mit seinem Land verbindet.

Die Amis sind gleichzeitig strohdumm und hochbegabt

Deutsche Austauschschüler können oft nur schwer glauben wie dumm die Amerikaner wirklich sind. Für einfachste Rechenaufgaben  wird der Taschenrechner gebraucht und das eigene Land auf der Weltkarte zu finden stell für viele eine Herausforderung dar. Wie ist es möglich, dass aus dem selben Land ein Großteil der Nobelpreisträger und Erfinder kommen?

Amerikaner wollen so wenig wie möglich bevormundet werden. Weder vom Staat, noch von ihren Nachbarn. In ihrem Recht auf Freiheit sehen sie das Recht auf Ignoranz mit inbegriffen. Eine generelle Schulpflicht gibt es nicht und durch das Wahlpflichtsystem an den High-Schools kann jeder Idiot an einen Anschluss kommen, wenn er Kurse wie Woods oder Studyhall wählt. Die meisten Erwachsenen interessiert es kein bisschen dafür was außerhalb ihres Bundesstaates, geschweige denn außerhalb ihres Landes passiert. Sich in einem so großen und abgeschiedenen Land mit außenpolitischen Debatten auseinanderzusetzen wäre Zeitverschwendung. Stattdessen wollen die sie vor allem eins. Die Möglichkeit ihre eigene Überzeugung offen zu leben und dabei von anderen in Ruhe gelassen zu werden. Dinge wie Religionsfreiheit oder das Recht auf Waffenbesitz sind für viele Amerikaner unantastbar.

Die liberale Lebensweise haben die USA zu einem der heterogensten Länder der Welt gemacht. Es ist gefährlich die Amerikaner bloß als fett und dämlich abzustempeln. Dadurch, dass sie es im Blut haben die eigenen Ziele zu verfolgen, fördert ihre Gesellschaft Extreme. Neben den Strohdummen, gibt es genauso auch brillante Menschen. Die großen Amerikanischen Unterschiede, zum Beispiel zwischen Arm und Reich, gelten hierzulande meist als Beweis der Überlegenheit des Deutschen Systems. Oft wird dabei vergessen, dass Extreme immer in zwei Richtungen stattfinden. Revolutionäre Innovatoren, die das Potential besitzen die Welt zu verändern, haben es in einem regelverliebten Land wie Deutschland schwer. In einem durchgeplantem Umfeld gibt es viel Platz in der Mitte aber wenig nach oben und unten. In laissez-faire Gesellschaften dagegen gedeihen ihre Talente. Die Abwesenheit von komplizierter Organisation treibt Kreativität und Fortschritt.

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