Das folgende Essay ist ein (gekürzter) Ausschnitt aus dem Buch „UniHack – Die Kunst des entspannten Studierens“  

Fotoquelle: Jan Bommes

 

Die deutsche Universität steckt in der Krise. Um das zu erkennen braucht es keinen Abschluss, sondern bloß nur einen Blick in die Tageszeitung. Beschwerden von Seiten der Studenten und Professoren überschlagen sich. Die einen sehnen sich nach mehr Vielfalt im Studium, die anderen vermissen die Tage an denen junge Leute noch rumbrüllten und gegen das Establishment auf die Straße gingen.

Es stimmt. Die Uni ist zur Massenabfertigung geworden. Millionen von Abiturienten sind einem Versprechen gefolgt, das die Gesellschaft ihnen gab: “Geht studieren und alles wird gut!” Im Sinne des Studienwahns wurde das Ganze zudem durch immer neue und sinnlose Studiengänge angeheizt, damit auch für diejenigen etwas dabei ist, die eigentlich gar nicht studieren wollten.

“Wir brauchen mehr Akademiker!” und “Es wird zu wenig in Bildung investiert!” heißt es dann immer. Falsch! Denn schon jetzt platzen die Unis aus allen Nähten und die Bildungsausgaben erreichen Rekordhöhen. Was hat es uns gebracht? Gestresste Studenten die jahrelang auf einen Abschluss hinarbeiten der jeden Tag an Wert verliert. Kein Wunder, wie soll man auch mit Wissen aus Folien im wahren Leben bestehen.

 

Wie kam es dazu?

Die deutsche Uni steckt in der Krise, weil sie seit Jahren immer wieder als Allheilmittel gegen alle möglichen Missstände unserer Gesellschaft herangezogen wird. Sei es unter dem Stichwort „Soziale Ungleichheit“, dem „Fehlen qualifizierter Arbeitskräfte“ oder der „Ignoranz der Massen“. Für alles Schlechte dieser Welt gab es plötzlich eine Lösung. Man müsse bloß allen einen Studienplatz verschaffen und schon würden sich unsere Probleme in Luft auflösen. Jeder der noch nicht komplett im Strom der politischen Korrektheit mitschwimmt, erkennt schnell wie weltfremd solch ein Ansatz ist. Und dennoch besteht genau daraus die Deutsche Bildungspolitik der letzten Jahrzehnte.

In Wahrheit ist die Uni natürlich nicht das Zaubermittel als das sie uns verkauft wird. Missstände wie jene, die ich eben aufgezählt habe kann sie nicht beheben – und konnte es auch noch nie. Als Institution höherer Bildung dient die Universität traditionell genau einem Zweck. Theoretischer Lehre. Sie ist weder Karriere Center, noch Debattierclub, noch Selbstfindungsstätte. Genau das hat man vergessen. Mit man sind all jene gemeint, die denken die Dummen und Lernunwilligen dieser Welt können an die Uni geschickt werden und kommen dann wie magisch als gebildete und produktive Mitglieder unserer Gesellschaft wieder heraus.

Zum Glück funktioniert Bildung anders. Um jemanden zum selbständigen Denken und Eigenverantwortung zu bewegen, reicht es nicht ihm den Stempel „Akademiker“ aufzudrücken. Derartige Motivation muss von innen herauskommen und kann höchstens gefördert, jedoch niemals erzwungen werden. Schon gar nicht durch Anwesenheitspflichten und Multiple Choice Klausuren.

 

Wie geht es weiter?

Jungen Menschen wird man auch weiterhin den Ratschlag geben zu studieren. Die Studentenzahlen werden weiter wachsen und Abschlüsse wohl noch inflationärer vergeben. Für einige Disziplinen wie den Naturwissenschaften wird sich das Studium trotzdem lohnen, da die Nachfrage nach qualifiziertem Personal mit technischen Kenntnissen auch in Zukunft steigen wird.

Die Geisteswissenschaftler werden es da schon schwerer haben. Sie kommen mit dem Wunsch nach Erleuchtung und Ideenaustausch an die Uni. Beides Dinge die nicht der Realität eines Studentenalltags entsprechen. Diesen Frust werden sie auch dann nicht los, wenn sie merken, dass sie nach dem Studium kein Arbeitgeber haben will.

Die Unternehmen als Aufnahmestätte der Studentenmassen werden ihre Anforderungen an Neuabsolventen noch weiter hochschrauben, bis auch sie erkennen, dass alle Welt Lebenlauftäuschung betreibt und niemand diesem Idealbild entspricht. Einige haben das Problem bereits erkannt und lassen Bewerber eigens erstellte, auf die Firma zugeschnittene Test absolvieren.

Je nachdem auf wen sich die steigenden Bildungskosten abwälzen lassen, werden zuerst die Studenten oder der Steuerzahler laut. Da hierzulande niemand an Studiengebühren glaubt, kommen eigentlich nur Letztere in Frage. Was den angeht, der sich von alledem nicht beeindrucken lässt, da er sowieso vorhatte sein eigenes Ding zu machen, wird er auch jetzt noch Wege finden das Studium zu genießen.

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