Das folgende Essay ist ein (gekürzter) Ausschnitt aus meinem Buch „UniHack – Die Kunst des entspannten Studierens“  

 

„Geh an die Uni und alles wird gut!“ Dieses Versprechen kennen wir alle. Unsere Eltern haben es uns gegeben. Und unsere Lehren. Von allen Seiten heißt es immer: „Die Elite geht an die Uni.“ und „Wer einen guten Job will muss studieren.“ Wenn das stimmt, wie kann es sein dass immer mehr Studenten nicht in der Lage sind ein ordentliches Praktikum zu finden? Ich rede hier nicht von einem Arbeitsplatz mit überdurchschnittlichem Gehalt sondern einem simplen Praktikum. Diese unterbezahlte Sklavenarbeit die am Anfang einer jeden Karriere steht.

Eigentlich sollten sich die Unternehmen bei solchen Aussichten doch die Hände reiben. Falsch gedacht.  Jeden Tag kriege ich mehrere Mails mit der gleichen Geschichte: „Felix, hilf mir! Ich habe hunderte Lebensläufe verschickt und auf keinen einzigen eine Antwort bekommen.“ Diese Hilferufe stammen nicht von Schulabbrechern, sondern von Universitätsstudenten, zum Teil sogar Absolventen. Was wurde falsch gemacht? Wie kann es sein, dass es die zukünftige Elite von Deutschland so schwer hat in der Arbeitswelt Fuß zu fassen. Und noch viel wichtiger:  

Was kannst du tun, wenn es dir genauso geht?

  Schauen wir uns dafür beide Seiten der Praktikums Bewerbung an, die der Studenten und die der Unternehmen. Angefangen mit den Studenten. Jungen Leuten wird heutzutage genau eine Strategie für die Jobsuche mit auf den Weg gegeben. Der Lebenslauf. Er hat sich zum heiligen Gral der Bewerbung entwickelt – auch wenn er für diese Rolle nie vorgesehen war. Tipps zur Lebenslaufoptimierung stehen hoch im Kurs. Meistens stammen diese jedoch von inkompetenten „career coaches“ die auch nur wieder geben was sie in veralteten Karriereratgebern gelesen haben. Nach so einem Kurs geht der Student dann hochmotiviert nach Hause und passt seinen Lebenslauf genau an das Muster an, zu dem ihm sein coach geraten hat. Später wird jedes einzelne Wort noch dreimal auf Rechtschreibung geprüft. Nur um sicherzugehen. Wer selbstdarstellerisch veranlagt ist, schreibt außerdem seine Spanischkenntnisse aus dem letzten Mallorca Urlaub dazu. Abgerundet wird das Ganz mit ein paar Pseudoqualifikationen unter dem Stichwort „Soziale Kompetenzen“. Danach wird alles feinsäuberlich in einer freundlichen Email verpackt und an das Traumunternehmen geschickt. Das Problem dieser Methode ist, dass es alle so machen. Alle benutzen eine der drei Lebenslaufvorlagen aus dem Internet, alle fügen Sprachen hinzu die sie nicht sprechen und alle haben die gleichen Qualifikationen. Das bedeutet im Fall von Studenten so gut wie gar keine. Auf der anderen Seite stehen Unternehmen vor folgendem Dilemma: Große Firmen mit bekannten Namen kriegen für jede noch so langweilige Stelle dutzende von Bewerbungen. Das gilt vor allem für Praktika. Um sich Arbeit zu ersparen und nicht jeden Kandidaten aufs Knochenmark zu durchleuchten, werden einfach die Mindestanforderungen hoch geschraubt. Da im Sinne des Studienwahns heute eh jeder einen Abschluss hat, muss der Kandidat außerdem noch Arbeitserfahrung mitbringen. Und gute Noten. Wie er das schafft ist egal. Nur Kandidaten die auf dem Papier überzeugen bekommen überhaupt die Möglichkeit sich im Vorstellungsgespräch persönlich zu präsentieren. Es ist ein Teufelskreis. Ohne Arbeitserfahrung kein Praktikum, ohne Praktikum keine Arbeitserfahrung. Wer ist an dieser Misere Schuld? Sind es die faulen Studenten oder die Unternehmen, die zu große Ansprüche stellen? Weder noch. Beide Seiten tun genau das was man ihnen beigebracht hat. Die Studenten polieren fleißig ihre Lebensläufe, weil sie nicht wissen was sie sonst tun sollen. Und die Unternehmen sieben aus wie nie zu vor, weil sie nicht anders mit den Bergen an identischen Bewerbungen umzugehen können.  

Wie du dem Hamsterrad entkommst

  Mein Rat ist simpel: Dreh das Spiel um. Wenn du ein durchschnittlicher Student bist, solltest du bei der traditionellen Bewerbung gar nicht erst mitmachen. Sie hat sich zu einem Wettrüsten der Streber entwickelt. Wer hier gewinnen will sollte besser herausragende Referenzen mitbringen. Denn nichts beeindruckt faule Personaler mehr als große Namen. BWL in Mannheim = gut. BWL ins Hans-Wurst-Stadt = schlecht. Arbeitserfahrung bei Siemens = gut, Arbeitserfahrung bei unbekanntem Unternehem = schlecht. Der älteste Trick nervige Personaler zu umgehen sind Beziehungen. Frei nach dem Motto: Das Unternehmen deines Vaters wird dich immer einstellen. Manchmal fehlt es aber leider an Vitamin B. Was dann? Das Stichwort heißt personal branding. Um aus der Masse an gleichen Bewerberprofilen herauszustechen musst du dir selbst eine Marke geben. Nur wenn dein Name für etwas steht, hat er einen Wert. Was glaubst du macht Stars so wertvoll, dass sie für Werbeverträge in Millionenhöhe unterschreiben? Es ist ihr Wiedererkennungswert. In Zukunft wird unsere Attention-Economy Menschen belohnen, die in der Lage sind Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Das gilt für Künstler und Selbstständige genauso wie für Arbeitnehmer. Die Vermarktung deiner Person wird dann umso wichtiger. Blogs und eigene Webseiten werden den Lebenslauf ablösen (in vielen Fällen haben sie es schon getan). Wer von diesem Wandel profitieren möchte, muss proaktiv werden und seine Online-Präsenz selbst in die Hand nehmen. Wie man am besten mit personal branding anfängt kannst du hier lesen.

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