Das folgende Essay ist ein (gekürzter) Ausschnitt aus dem Buch „UniHack – Die Kunst des entspannten Studierens“

 

Was gute Noten angeht, waren alle Ratschläge die ich früher bekam kompletter Schwachsinn. Entweder sagte man mir ich solle nicht so faul sein und mehr pauken, oder es ging um irgendeine Lerntechnik, die kein normaler Mensch je benutzen würde. Solche Tipps lösen das eigentliche Problem nicht. Lernen ist scheiße. Es ist langweilig und mir fallen tausende Dinge ein, mit denen ich meine Zeit lieber verbringe. Als fauler Student braucht man keine Ratschläge, wie man besser oder anders lernt. Es geht darum weniger, am besten gar nicht, zu lernen und trotzdem gute Noten zu schreiben. Heute weiß ich, dass diese Kombination sehr wohl möglich ist.

Nach dem Abi habe ich direkt angefangen zu studieren. Da ich davon ausging, die Klausuren  an der Uni ähneln dem Abitur, bestanden die ersten Monate aus feiern und lange schlafen. Dementsprechend waren meine Noten. Nachdem die erste 5.0 in meinem Online-Account erschien, versprach ich, im zweiten Semester alles anders zu machen. Das Versprechen hielt genau drei Tage. Wer hat schon Lust im Sommer in der Bibliothek zu hocken? Also war auch das zweite Semester eher mittelmäßig. An dieser Stelle würde jeder normale Mensch Vernunft walten lassen und endlich mehr für seinen Abschluss tun. Mehrtun war aber noch nie meine Stärke. Anstatt mich am Riemen zu reißen und meinen Arsch in die Bibliothek zu bewegen entschied ich mich für einen anderen Weg – quasi die dunkle Seite des Studierens. Ich nahm mir vor das System nach Strich und Faden auszunutzen. Hier also mein Rat, wenn das genau deinem Geschmack entspricht:

 

 

 

Tipp 1: Wähle die richtige Uni

Noten sollen Vergleichbarkeit zwischen den Studenten schaffen. Gute Leistungen werden mit guten Noten belohnt, zumindest in der Theorie. In Wirklichkeit hängt die Vergabe der Noten aber nicht nur von der Leistung eines Studenten, sondern immer öfter von Drittfaktoren ab. Wie du gleich sehen wirst, gehen die Notenschnitte zwischen den Studiengängen stark auseinander. Und nicht nur das, auch innerhalb eines Studiengangs gibt es Universitäten an denen die mittleren Studentenleistungen weit von der nationalen Norm abweichen. Man mag an dieser Stelle behaupten, das liege an einer ersten Selektion durch die Abinote; Die Unis mit den höchsten NCs bekommen nun einmal die besten Studenten. Wer jedoch in die Statistik schaut, wird schnell vom Gegenteil überzeugt.

Alle paar Jahre veröffentlicht der Deutsche Wissenschaftsrat eine Liste der durchschnittlichen Abschlussleistungen aller Studiengänge, geordnet nach Hochschule. Der letzte, immerhin 861 Seiten lange, Bericht bestätigt eine Vermutung die wir alle schon einmal hatten: An einigen Hochschulen ist es einfacher gute Noten zu bekommen. Zum Teil machen diese Unterschiede einen ganzen Bewertungspunkt aus. Dafür gibt es viele Gründe. Es scheint naheliegend, dass einfachere Klausuren eine große Rolle spielen, aber unterschiedliche Schwerpunkte und entgegenkommende Professoren werden auch als Möglichkeit genannt.

Anstatt diese Ungerechtigkeit jetzt anzuprangern, empfehle ich allen die ihr Studium noch vor sich haben, einen Blick in die folgende Tabelle zu werfen. Um dem Leser einen Haufen Arbeit zu ersparen, habe ich dort die einfachsten Unis der beliebtesten Deutschen Studiengänge einmal heraus gesucht (alphabetisch geordnet und mit den durchschnittlichen Notenwerten in Klammern): Die Liste der einfachsten (und schwersten) Unis nach Studiengang

 

Tipp 2: Mach ein Auslandssemester 

Der Geheimtipp schlechthin. Naja so geheim ist er nun auch nicht. Aber die wenigsten gehen ins Ausland um gute Noten zu schreiben. Einfach weil es ihnen egal ist. Vögeln und feiern a la „Erasmus Orgasmus“ heißt die Devise. Daran ist ja auch nichts auszusetzen. Dabei verpassen sie aber die beste Möglichkeit ohne Stress Top Noten mit nach Hause zu bringen. Am besten geht das in einem südlichen Land. Spanien, Italien oder mein Favorit: Lateinamerika. Lass dir das Semester (oder besser Jahr) als Feriensemester anrechnen, damit es nicht in deine Regelstudienzeit eingeht.

Im Ausland musst du dann gute Noten schreiben. Keine Angst, durch deinen Ausländerbonus sollte das nicht schwer sein. Geh während des Semesters einfach ein paar Mal in die Sprechstunde des Professors und unterhalte dich mit ihm, damit er dich kennenlernt. Erzähle ihm davon wie sehr dir dein neues Umfeld gefällt,  obwohl es doch so anders ist als Deutschland. Südländer sind generell offener als Deutsche und unterhalten sich gerne über kulturelle Unterschiede. Es geht in euren Gesprächen vor allem darum eine persönliche Verbindung aufzubauen. Gleichzeitig solltest du betonen, dass es wegen der neuen Sprachen manchmal zu Verständnisprobleme kommen wird, wofür du dich schon jetzt entschuldigst.

In den Klausuren tust du dann so als verstündest du eine Fragestellung nicht. Entweder wird dir der Prof die Antworten während der Klausur sagen, oder er gibt dir eh bessere Noten, einfach weil er Mitleid hat. Falls du mir nicht glaubst, frag einfach jemanden der schon mal in Lateinamerika war. Er wird dir bestätigen wie einfach es ist dort drüben ist.

Vieler meiner Deutschen Kommilitonen kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus wenn sie solchen Geschichten hören. Ihnen rate ich immer an der ausländischen Uni aktiv nach solchen Kursen zu suchen. Das geht am besten in der Einführungswoche. Frage herum wo man die einfachsten Noten bekommt und wer die kulantesten Professoren sind.

Ich habe meine kompletten Vertiefungsmodule in Spanien gemacht. An eine Klausur erinnere ich mich besonders gerne. Sie bestand zu 100% aus Multiple Choice Fragen. Da die angesetzte Prüfungszeit von zwei Stunden für die zwanzig Fragen viel zu viel war, verließen so gut wie alle Studenten nach einem Bruchteil der Zeit den Raum. Nachdem sich der Prüfungssaal also gelehrt hatte, ging ich immer wieder zu meinem Professor ans Pult und erklärte ihm, dass ich seine Fragestellung zu einer bestimmten Aufgabe nicht verstand. Mit fragendem Blick zeigte ich dann auf die Antwort die ich für richtig hielt. War sie richtig, nickte er mir zu, war sie falsch gab er mir einen offensichtlichen Tipp was ich ankreuzen sollte. Ein Kumpel von mir hatte in Brasilien noch mehr Glück. Als er so tat als hätte er einen Black out, durfte er seine Klausur mit nach Hause nehmen und drei Tage später abgeben.

Bevor es in die Heimat zurück geht, vergiss nicht dass die Vorlesungszeit so gut wie überall auf der Welt eher aufhört auf als in Deutschland. Wenn du früh genug wieder da bist, kannst du neben den Klausuren aus dem Ausland auch noch die an deiner Heimatuni mitschreiben. So lässt sich ohne Probleme ein ganzes Semester sparen.

Sobald du wieder in Deutschland bist gehst du zu deinem Prüfungsbeauftragten. Bei deinem Masterplan ist er ab jetzt dein wichtigster Partner, also sei nett zu ihm. Lass dir deine guten Noten aus dem Ausland für all die schweren Kurse in Deutschland anrechnen. Meistens ist es egal ob die Kurse aus dem Ausland irgendwas mit deinen Modulen hier zu tun haben. Sie waren ja auf Spanisch, also kannst du ihm sonst was erzählen. Wenn du es geschickt anstellst, wirst du eine geile Zeit im Ausland und gute Noten haben. Alles in Fächern, die andere Studenten grade so bestehen.

 

Tipp 3: Nerv’ die Dozenten bis sie dir gute Noten geben

Falls dein Studium vor allem aus Hausarbeiten besteht, habe ich gute Nachrichten. Jedes Mal wenn du bei einem Dozenten eine mittelmäßige oder schlechte Note bekommst, geh zu ihm und frage nach dem Grund für seine Benotung. Fragen ist eigentlich das falsche Wort. Löchern passt besser. Hier gilt: Je länger, desto besser. Du musst ihn mit deinen Fragen so dermaßen nerven, dass es ihm nicht in den Sinn kommt dir jemals wieder eine schlechte Note zu geben. Du glaubst gar nicht wie weit man mit ein bisschen Dreistigkeit kommen kann.

Wahrscheinlich gab es bei dir in der Schule auch so ein Mädchen, das bei der Vergabe der mündlichen Noten immer mit dem Lehrer diskutiert hat. Nun, sie hat es nur gemacht, weil ihre Taktik funktioniert. Wer Ausdauer hat und keine Scham zeigt, bringt Lehrer irgendwann so in Verlegenheit, dass sie einfach aufgeben. Mit Professoren kannst du das gleiche Spiel spielen. Egal ob bei Hausarbeiten oder Klausureinsichten.

 

Tipp 4: Richte deinen Aufwand nach Leistungspunkten

In der Uni muss man knallhart priorisieren. Anstatt deine Kraft in schweren Fächern zu vergeuden, lerne lieber gerade so viel, dass du bestehst. Im Endeffekt lohnt es sich nicht viel Arbeit in schwere Module zu stecken, wenn du die gleiche Anzahl an Leistungspunkten in einem leichten Modul bekommst. Je weniger Zeit du mit schweren Modulen verschwendest, desto mehr hast du um für viele Einfache zu lernen. Mit den vielen guten Noten aus den einfachen Kursen gleichst du deine schlechten Fächer aus.

 

Tipp 5: Wähle Fächer nach Noten, nicht nach Interesse 

Der freie Wahlbereich bietet je nach Studiengang unterschiedlich viel Platz für willkürliche Module. Immer wieder sehe ich Kommilitonen die dann den Modulkatalog durchgehen und nach „interessanten“ Fächern suchen. Das ist falsche Weg. Jeder weiß, dass es Dozenten gibt die 1.0er reihenweise vergeben. Nach ihnen solltest du Ausschau halten. An allen großen Unis finden sich immer ein paar Lehrstühle, die für ihre Großzügigkeit bekannt sind. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es die Geisteswissenschaftler, speziell die Philosophen, sind. Sprachkurse sind eigentlich auch immer ein Garant für gute Noten.

Falls du Skrupel hast die Uni dadurch auszunutzen, sei beruhigt. Alle machen es so und nach dem Studium interessiert sich keiner dafür welche Kurse du gewählt hast. Das Wichtige ist doch, dass du keine schlaflosen Nächte wegen deines schlechten NCs bekommst.

 

Tipp 6: Falls es mal eng wird

Solltest du jemals in eine mündliche Prüfung müssen, rate ich dir schon vorher mit dem Prof zu reden. Du glaubst gar nicht wie entgegenkommend jemand sein kann, wenn er anstatt einer Matrikelnummer eine wirkliche Person zu Gesicht bekommt. Sei ehrlich mit ihm und besprich deine Angst exmatrikuliert zu werden. Oft kriegst du so ein paar Tipps was er dich in der Prüfung fragen wird. Es klingt wie eine Selbstverständlichkeit, aber viele Studenten haben Hemmungen mit dem Professor in Kontakt zu treten und sprechen bei der Prüfung zum ersten Mal mit ihm. Wenn du ehrlich bist und erklärst, dass es hier um deine Existenz geht, wird man dich ernst nehmen. Verständnis und Sympathie haben schon so einigen Menschen die Karriere gerettet.

 

Tipp 7: Zu guter Letzt – Verstehe worum es beim Lernen geht

Ich hatte dir am Anfang versprochen keine Lerntipps zu geben. Auf eine Sache muss aber dennoch eingegangen werden. Als ich in der Einleitung sagte, dass Lernen scheiße ist meinte ich nicht das eigentliche Lernen; Also vor dem Buch sitzen und Aufgaben Lösen. Das ist meist nicht schwer und kostet wenig Zeit.

Am meisten Energie und Nerv raubt in Wirklichkeit etwas ganz anderes. Die Vorbereitung aufs Lernen. Für Naturwissenschaftliche Fächer bedeutet das Material suchen, Lösungen kopieren, Rechenwege erklären. Für Geisteswissenschaftler Recherchieren, Strukturieren und Argumente finden. Wenn du zeitsparend lernen willst, musst du vor allem zwei Sachen richtig machen.

Erstens sollten die angesprochenen Beschaffungskosten minimiert werden. Das bedeutet schon vor dem Lernen zu wissen wie du beschaffst was für dein Lernen unabdingbar ist. Du  musst planen wer dir den Vorlesungsstoff noch einmal erklären kann oder von wem du die richtigen Lösungen bekommst.

Zweitens darfst du dein Erfolg nicht nach der Arbeit, sondern dem Ergebnis messen. Lass dich nicht davon einschüchtern wie lange deine Kommilitonen für eine Klausur gelernt haben. Die meisten von ihnen lernen nach Zeit. Es macht sie stolz fünf Stunden am Tag in der Bibliothek zu sitzen. Dabei sind sie aber neunzig Prozent der Zeit bei Facebook oder WhatsApp. Dass von den ursprünglich fünf Stunden also nur ein Bruchteil wirklich aus effektivem Lernen besteht, wird verdrängt. Viel einfacher wäre es doch, nicht Zeit sondern Leistung zu messen. Anstatt dir also darüber Sorgen zu machen, wie wenig du im Vergleich zu deinen Kommilitonen lernst, achte lieber darauf wie viele Aufgaben du löst oder Seiten du schreibst.

 

Was bedeutet das alles?

Noten sind lächerlich. Sie sind einfach zu manipulieren und schon lange mehr kein Maß von Fleiß oder Intelligenz. Das habe ich ausgenutzt. Wer will, kann es genauso machen – Stress im Studium muss nicht sein. Anstatt nächtelang langweilige Vorlesungsfolien durchzugehen, sollte man seine Zeit in Aktivitäten investieren die Spaß machen und wirklich nützlich sind. Ich bin mir sicher, dass es noch viele andere Schlupflöcher im Deutschen Bildungssystem gibt – und sie warten nur darauf von dir gefunden zu werden.

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